Im Oktober konnten drei Schülerinnen des AEG ihre Sprachfeststellungsprüfung ablegen. Eigentlich wollten Sama Mahmoud, 10 FLb und Mayada Jafreyan, 11C und Patricia-Sorina Nicola, ebenfalls 11C, ihre Prüfung schon im Frühjahr machen, aber durch den Lockdown und die damit verbundenen Schulschließungen wurden alle Prüfungen um mehrere Monate verschoben.

Mit einer Sprachfeststellungsprüfung können Schüler bzw. Schülerinnen, deren Erstsprache nicht Deutsch ist und die keine Möglichkeit hatten, neben Deutsch noch eine weitere Fremdsprache wie Englisch, Französisch oder Latein von Anfang an zu erlernen, eine dieser Pflichtsprachen ersetzen und so z.B. die Voraussetzungen für die Oberstufe erfüllen. Die Prüfung ist eine große Entlastung für die Schüler, die nicht nur einen Neuanfang mit ihrer Familie hier in Deutschland bewältigen müssen, sondern sich schnell in unser Schulsystem einfinden und in kurzer Zeit Deutsch lernen, um am normalen Unterricht teilnehmen zu können. Mit der Sprachfeststellungsprüfung wird anerkannt, dass die Schülerinnen und Schüler zwar vielleicht nicht Französisch oder Englisch gelernt haben, dafür aber neben Deutsch oft mehrere andere Sprachen sprechen. Die Sprachfeststellungsprüfung ist eine anspruchsvolle Prüfung, die in mehreren Teilen Hörverstehen, Leseverstehen und schriftliche Kommunikation testet. Eine mündliche Prüfung schließt sich an. Muttersprachliche Prüferinnen und Prüfer, die vom Sprachbildungszentrum der Landesschulbehörde ausgewählt werden, kommen an die Schule und führen die Prüfung durch. Zum Prüfungsteam gehört auch immer eine Lehrkraft für eine moderne Fremdsprache; am AEG hat Frau Anne-Kathrin Borchers dankenswerterweise diese Aufgabe übernommen.  

Mayada, Patricia und Sama haben ihre Prüfung mit großem Erfolg bestanden, obwohl sie auch ganz schön aufgeregt waren, denn immerhin waren mindestens 60 von 100 Punkten zu erreichen. Gar nicht so einfach, wenn man mit seiner Muttersprache meist außerhalb der Familie kaum noch in Kontakt kommt. Patricia wurde in ihrer Erstsprache Rumänisch geprüft und konnte die volle Punktzahl erreichen. Mayada und Sama legten die Prüfung in Arabisch ab und erreichten ebenfalls fast die volle Punktzahl. Dazu muss man wissen, dass Arabisch gar nicht die Muttersprache der beiden Schülerinnen ist, sondern Kurdisch. In Kurdisch, für das es keine eigene Schriftsprache gibt, kann die Prüfung nicht abgelegt werden, daher wählten die beiden die Schulsprache ihrer Heimat, Arabisch.  

Die drei Schülerinnen können zu Recht stolz sein auf ihre Leistung, die einen schönen Anlass bietet, den Sprachenschatz zu würdigen, den viele unserer Schüler und Schülerinnen, deren erste Sprache nicht Deutsch ist, mitbringen. 

Ellen Visbeck