Eine Hamelner Institution feiert Jubiläum: Zum 25. Mal werden am kommenden Freitag, dem 9. Februar, ab 20 Uhr (Einlass 19 Uhr) in der Sumpfblume die Zeugnisferien mit einer „Halbzeitparty“ (HZP) gefeiert. Auf die Bühne kommen, wie eh und je, die Rockbands der drei Hamelner Gymnasien. Neu ist, dass die Sause in diesem Jahr erstmals für die Öffentlichkeit freigegeben ist (Eintritt: 5 Euro), man also nicht seinen Schüler-Ausweis vorzeigen muss, um Eintritt in den „Sumpf“ gewährt zu bekommen.

Ursprung dieser Live-Konzerte mit Schüler-Bands für ein Schülerpublikum war die Überzeugung, dass einerseits junge Musiker, die sich mit Begeisterung der Musik ihrer Idole verschreiben, sich mit ihrem Können vor ihren Mitschülern präsentieren, die - andererseits - nur darauf warten, IHRE Schulband auf der Bühne zu erleben und sie zu feiern. Das war 1993 die Idee von Gerd Schaefer, Lehrer für Deutsch und Politik am Schiller-Gymnasium, als er Klaus Kawan, Lehrer für Mathematik, Physik und Informatik am Albert-Einstein-Gymnasium, und Udo Dornfeld, Lehrer für Englisch und Sport am Viktoria-Luise-Gymnasium, für dieses Schüler-Live-Musik-Format gewinnen konnte. Denn diese drei Lehrer betreuten damals die jeweilige Schulband an ihrer Schule und waren sich gemeinsam sicher: Die Hamelner Schülerwelt wartet nur auf so ein Event!

Zur 25. Wiederholung dieses Schulband-Live-Konzerts kommen am kommenden Freitag nun wieder die aktuellen Schulbands der drei Hamelner Gymnasien auf die Bühne der Sumpfblume. Was die Zuschauer noch erwartet, verrieten im Interview Klaus Kawan, der auch als Pensionär weiterhin die Schulband am AEG betreut, und Gerd Schaefer, der sich als „Vater der Halbzeitparty“ zum Jubiläum dieser Veranstaltung aktivieren ließ.

Das erste Konzert von Hamelner Schulbands fand bereits 1990 statt. Dieser Vorläufer der HZP war im Sommer und hieß „Together – Viktoria, Albert & Friedrich“. Wie ist es zu diesem Konzert gekommen?

Schaefer: Ich habe als 16-Jähriger mit zwei Mitschülern auch in einer Band gespielt, aber dass wir das in unserer Schule hätten präsentieren können, schien undenkbar angesichts der Ablehnung dieser „Krach-Musik“ durch unsere Lehrer und Eltern. Als es dann wider alles Erwarten doch mal gelang, unseren Musiklehrer zu überreden und in einer Musikstunde mit der Band spielen zu können, endete das in einer Katastrophe für uns: Der Schulleiter stürmte den Musikraum schon nach wenigen Stücken und beendete in gnadenlos-schroffem und missbilligendem Ton unseren Auftritt. Als ich 1988 am Schiller viele Jahre später selbst Lehrer geworden war und die großartige Möglichkeit erhielt, eine Schulband zu coachen, war klar, dass ich etwas ermöglichen wollte, was mir über 20 Jahre früher nicht erlaubt gewesen war. In den Kollegen an den anderen Schulen fand ich Gleichgesinnte, und wir waren uns einig: Unsere Schulband-Musiker sollen sich vor Publikum als leidenschaftliche Interpreten ihrer Musik erleben können! Und weil wir dachten, eine ideale Gelegenheit für so ein Bands-Konzert ist direkt nach der Ausgabe der Jahres-Zeugnisse, denn da sind – fast – alle richtig gut drauf, war das erste Konzert im Juli im Bürgergarten.

1993 gab es dann erstmals die Halbzeitparty, nicht mehr das Open-Air im Bürgergarten.

Schaefer: Bei den drei Open-Air-Konzerten im Bürgergarten 1990-92 blieb die Resonanz leider bescheiden. Wir hatten die Umstände falsch eingeschätzt. Das würde sicher anders sein, so die Überlegung, wenn man den Termin der Halbjahres-Zeugnisse nähme und die Sumpfblume als Bühne gewinnen könnte. Und so geschah es dann auch: Die Sumpfblume wollte die Idee der Schulband-Konzerte mittragen und hielt den Saal am Tag der Halbjahres-Zeugnisse frei; die HZP war geboren. Ab 1993 hat dann dieses Konzert in der Sumpfblume stattgefunden.

Kawan: Musikalisch war es anfangs so, dass die AEG-Rockbands für die härtere Gangart standen, das Schiller „artigere“ und das Vikilu als „Musikgymnasium“ anspruchsvollere Sachen gemacht hatte. Das ebnete sich aber irgendwann ein, so dass man heute diese Unterschiede nicht mehr feststellen kann.

Ein Vierteljahrhundert Halbzeitparty – welche Anekdoten gibt es aus dieser langen Zeit zu berichten?

Schaefer: Es gibt natürlich die verrücktesten Anekdoten. Zum Beispiel „backstage“ – wer darf dort alles rein – dürfen Musiker ihre Kumpels in den Backstage-Bereich holen? Der Backstage-Raum war immer wieder so überfüllt, dass wir Leute regelrecht rausschmeißen mussten. Oder das Thema Alkohol! Darf ein Sänger mit einer Flasche Bier in der Hand auf die Bühne gehen? Schließlich standen ja auch die Schulen als Veranstalter da. Und doch gab es den einen oder anderen Schüler-Musiker, für den das „cool“ und unverzichtbar war. Oder die Frage, wer das Schlagzeug oder die Verstärker bereitstellt – aber dann durfte natürlich auch nichts kaputtgehen!

Welches waren die positivsten, welche die negativsten Erlebnisse in den letzten 25 Jahren?

Schaefer: Negativ für mich war, dass am Anfang die Altersgrenze der Zuschauer immer weiter nach unten ging und die jüngeren Schüler an diesem Abend oft zum ersten Mal „richtig“ Alkohol getrunken haben. Zwar war die HZP durch die Kooperation mit der Sumpfblume nie eine reine Schulveranstaltung, und wir haben über viele Jahre lang eine Regelung gesucht, das Problem in den Griff zu bekommen. Aber dann wurde mitunter draußen „vorgeglüht“ – und im Saal war das im schlechtesten Fall gar recht unappetitlich. Solche Erscheinungen während der HZP haben in der pädagogischen Perspektive durchaus wehgetan. Positiv lässt sich sagen, dass viele „Herzblutbeziehungen“ entstanden sind, es waren immer besondere Musiker unter den Schülern, die heute zum Teil als Profimusiker ihr Geld verdienen. Dazu gehören etwa Paul Kaiser, Claudia Burkhard (Schiller) oder Raphael Vanoli (AEG) und etliche Musiker vom Vikilu.

Kawan: Positiv und negativ gleichzeitig war, dass in den ersten Jahren 900 Leute und mehr bei den Halbzeitpartys waren. Obwohl wir mit der Sumpfblume zusammen Security und Kontrollen gemacht haben, war diese Menge kaum noch in den Griff zu bekommen. Leider hat das Interesse der Schüler an dieser Art von Musik in den letzten Jahren aber nachgelassen, und wir hatten dieses „Problem“ nicht mehr. Darin liegt die Motivation für das Öffnen der Veranstaltung für die Öffentlichkeit.

Was gibt es Besonderes angesichts der Jubiläumsausgabe der Halbzeitparty – können die Zuschauer auch mit „special guests“ rechnen?

Kawan: Ja, es wird einen Auftritt einer gemischten Band aus ehemaligen Musikern geben. Dabei sind Steffen Klimasch (g), Sebastian Seifert (dr), Marc Telgheder (g), Torsten Scheele (keys), Peter Kaminski (voc) und die aktuellen Betreuer – Stefan Licht (Schiller), Hendrik Smit (Vikilu) und ich vom AEG. Und dann kommt Gerd Schaefer, der geistige Vater dieses Events, und wird den Song singen, der zu den frühesten der Halbzeitparty-Geschichte gehört: „With A Little Help From My Friends“ von den Beatles, aber in der Joe-Cocker-Version. Gerd wird auch die Veranstaltung moderieren. Dabei sind natürlich die aktuellen Pop- und Rockbands der drei Hamelner Gymnasien, wobei die AEG-Band „Four Rox“ inzwischen auch außerhalb der Schule aktiv ist und ihre erste eigene CD vorbereitet.

Dann wünschen wir Schülern, Lehrern und allen Musikern einen tollen Abend und hoffen auf 25 weitere Jahre Halbzeitparty in Hameln!

Cord Wilhelm Kiel

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